Indianerkind

Kinder mögen keine langen Reden. Was sie sehen, möchten sie anfassen, begreifen. Am Anfang war das Spiel.

Eine zusammengewürfelte Horde von Kindern (und Eltern) in ihrer unterschiedlichen Stimmung aufzufangen und zu gemeinsamem Spiel zu animieren, bedarf einer gewissen Anlaufphase. Dabei sollte es zunächst ruhig ein wenig chaotisch zugehen. Die Instrumente werden betrachtet und ausprobiert: Wie laut kann ich schlagen? Ob es reißt, das Trommelfell? Geht der Karton kaputt, wenn ich auf ihn eindresche? Nach einer Weile sind die ersten Gefühle zwischen Unsicherheit, Angst und Aggression verklungen.

 

Lieder singen

Durch das Singen eines einfachen Liedes werden die unterschiedlichen Stimmungen aufgefangen und auf eine gemeinsame Schwingungsebene geleitet. Kinder und Eltern begleiten den Gesang mit einfachen Geräuschinstrumenten. Der Spielleiter sorgt dabei für einen durchgehenden Grundrhythmus.
 

Was machen wir gegen Langeweile

Drei Chinesen mit dem Kontrabass – abwechselnd eine Strophe Gesang, eine Strophe instrumental: Die Melodie wird mit zellophanpapier-bespannten Kämmen und Papprollen »gesummt«.

Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad

Die Affen rasen durch den Wald

Hab ne Tante in Marokko

 

Dirigieren

Ein Kind geht in die Mitte des Kreises. Hebt es seine Arme, spielen die Musiker auf ihrem Instrument. Lässt es die Arme fallen, verstummen sie.
 

Erweiterung: Nach einiger Übung kann der Dirigent auf einen Musiker zeigen, der ein Solo spielt.

Erste Variation: Der Dirigent schwingt mit seinen Armen wie ein fliegender Vogel auf und ab. Seinem Tempo gemäß spielen die Musiker langsam oder schnell.

Zweite Variation: Der Dirigent macht sich groß (steht und streckt die Arme nach oben): die Musiker spielen laut. Macht sich klein (hinhocken): leise spielen.

Dritte Variation: An die Tafel werden zwei verschiedene Symbole gezeichnet: eines bedeutet Musizieren, das andere Pause (z. B. viele Punkte auf einer Fläche für Musizieren, ein leerer Kreis für Pause).

Vierte Variation: An die Tafel werden zwei Figuren gezeichnet: eine groß, eine klein (z. B. ein Haus, ein Mensch ...). Nun zeigt der Dirigent mit einem Stock auf eine der Figuren: große Figur bedeutet laut spielen, kleine Figur leise.

Erweiterung: ein drittes Symbol wird an die Tafel gezeichnet, das »Pause« bedeutet (z. B. ein Kreis, ein Strich, ein dicker Fleck ...).
 

Wer keine Tafel hat, kann statt dessen Schilder bemalen, die der Dirigent hochhält . Oder es werden große Zettel an Bauch und Rücken des Dirigenten geklebt, der sich zur Gruppe hin- bzw. abwendet (»Wer spielt da hinter meinem Rücken einfach laut? ...«).

Um Farben zu lernen und ein wenig zum Verkehrsunterricht beizutragen, kann auch eine Kelle mit Grün und Rot gebastelt werden: Grün heißt spielen, Rot heißt Stopp, also Pause. Etwas komplizierter geht es mit drei Farben. Bei Gelb werden die Spieler langsamer (oder leiser) bzw. schneller (oder lauter).
 

Die Variationen lassen sich beliebig erweitern. Im fortgeschrittenen Stadium können die Symbole auch durch Notenschrift ersetzt werden: Viele Noten auf einem Haufen für »Alle musizieren«, Pausenzeichen für »Stille«. Ein dickes F(orte ) für laut, ein mageres p(iano) für leise. Viele Fähnchen an den Notenhälsen für schnell, ein hohler Notenkopf für langsam usw.

 

Lose ziehen und verstecken

Je kleiner die Kinder, desto schwieriger das Warten ... Um Streit und Eifersucht vorzubeugen (»Ich will zuerst!« – »Nein, ich!« ...), bereite ich eine Tüte mit zusammengefalteten Zetteln vor, auf denen, gemäß der Teilnehmerzahl, Nummern von 1 bis ... notiert sind. Jedes Kind zieht ein Los und weiß nun, dass der Spielleiter keines bevorzugt oder vernachlässigt.

Noch spannender ist das Lose-Suchen. Während die Kinder vor die Tür gehen, versteckt der Spielleiter die Lose im Raum. Jedes Kind darf sich sein Los nun suchen (besonders zur Osterzeit beliebt).

 

Bewegung: Indianerspiel

Gemeinsames Musizieren ist immer mit einer gewissen Spannung verbunden. Das Indianerspiel bietet den Kindern Gelegenheit, sich freizulaufen.

Mit Hilfe von Stühlen, Tischen, Bettlaken und Decken wird ein Indianerzelt gebaut. Der Spielleiter denkt sich zwei Rhythmen aus, die er z. B. auf einer Trommel schlägt. Ein langsamer Rhythmus (z. B. gleichmäßige Viertelnoten) bedeutet, dass die Indianer in ihre Zelte kriechen, ein schneller (z. B. punktierte Viertel mit Achtelnote), dass sie durch die Prärie reiten.
 

Variation: Es werden zwei Zelte aufgebaut. Eines mit einer blauen (grünen, grauen ...), das andere mit einer roten (orangefarbenen, gelben ...) Decke. Das blaue Zelt bedeutet kalt, das rote warm. Der Spielleiter sucht sich drei verschiedene Instrumente aus: eines für kalt (z. B. auf leere Blechdosen schlagen), eines für warm (z. B. ein Xylophon) und eines für Herumlaufen (z. B. eine Trommel, ein Karton ...). Auf diese Weise können auch jene Spielleiter sein, die noch kein ausgeprägtes Rhythmusgefühl haben.
 

Mit etwas Phantasie lässt sich dieses Spiel durch freies Erzählen weiter ausbauen. Wenn etwa die Indianer in ihren Zelten schlafen, kann jemand das Licht ausschalten und mit Rasseln, Knistertüten, einem Regenrohr, Zischen durch die Zähne, einer Trommel ... Sturm und Gewitter nachahmen. Ein Wolf heult in der Nacht ... eine Eule macht »hu huuuu« ... die Indianer schnarchen um die Wette ...

Endlich geht die Sonne wieder auf (das Licht wird angeknipst), die Indianer recken und strecken sich, gähnen, gehen vor ihr Zelt, um die Pferde zu satteln und sich Beute für ihr Frühstück zu fangen ... und das Spiel geht wieder von vorne los .. . galoppel galoppel ...

Mit einem Haufen leerer Zellophantüten lässt sich auch ein knisterndes Lagerfeuer simulieren, um das sich die Indianer setzen, um Stockbrot zu backen und eine Friedenspfeife zu rauchen. In lockerer Atmosphäre macht auch die Unterhaltung per »Quatsch-Sprache« großen Spaß (»kuddel duddel, mampf mampf, ugar ugar«, oder jedes Wort beginnt mit einem M; jeder Vokal wird zu einem E wie im Chinesen-Lied ...). Vielleicht erinnern Sie sich, wie Sie als Kind die englische, französische oder chinesische Sprache nachgeahmt haben ... es darf auch Schweizerdeutsch sein, bayrisch, plattdeutsch ... ohne jeden Anspruch auf Echtheit und Perfektionismus.
 

Indianerspiele im Freien:

Statt im Zelt verstecken sich die Indianer im Gebüsch, in der Garage, klettern auf Bäume (oder Klettergerüste). In ausgelassener Stimmung kann es nun auch vorkommen, dass sich die Kinder nach einer Weile in ihrem Spiel verselbständigen und kaum mehr auf die Signale des Spielleiters hören. Die Eltern (Betreuer, Spielleiter ...) sollten diese Gelegenheit nutzen, um sich zurückzuziehen und z. B. das Essen vorzubereiten (bei einem Kinderfest). Sie können auch ein Zeichen für »Essen kommen« vereinbaren, auf das die Indianer dann gespannt warten.

Statt des simulierten Zellophan-Tüten-Feuers ist ein richtiges Lagerfeuer natürlich nicht zu überbieten ... dazu echtes Stockbrot aus einfachem Hefeteig ...

 

Geschicklichkeitsspiele

Stühle oder Tische werden zu einem Kreis zusammengestellt. Der Spielleiter schlägt nun auf ein Instrument mit hohen Tönen (z. B. Blechdosen), und die Kinder balancieren auf den Stühlen im Kreis herum (hohe Töne: oben). Schlägt er auf ein Instrument mit tiefen Tönen (großer Pappkarton), springen sie von den Stühlen und krabbeln auf dem Boden herum.
 

Erweiterung: Die Stühle werden in größeren Abständen nebeneinandergestellt, so dass die Kinder über die »Gräben« schreiten müssen. Auf dem Boden krabbeln sie dann unter den Stühlen hindurch.

Erste Variation: Wer weder Stühle noch Tische o. ä. zur Verfügung hat, kann auch einfach zwischen aufrechtem Gang und Krabbeln auf allen Vieren wechseln. Beim aufrechten Gang dürfen die Kinder dann besonders stolz die Brust herausstrecken und vornehm tun, während sie auf allen Vieren tollpatschig herumtrotten und sich gegenseitig anrempeln.

Auf diese Weise kann zwischen verschiedenen Bewegungsabläufen oder Stimmungen gewechselt werden (trippelnde Mäuse gegen stampfende Elefanten; heiter und lustig gegen schwermütig und traurig ...)

Zweite Variation: Statt der Stühle wird ein Seil auf den Boden gelegt (gerade, im Kreis oder in Schlangenlinien), auf dem die Kinder der Reihe nach balancieren (wer kann, darf natürlich einen passenden Trommelwirbel dazu spielen ...). Bei tiefen Tönen fallen die Seiltänzer »herunter« und bleiben liegen, um sich auszuruhen (oder wälzen sich auf dem Rücken wie eine Katze).

Dritte Variation: Auf den Boden werden in einem gewissen Abstand Lappen gelegt (alte Stoffwindeln, Handtücher ...). Die Kinder stellen sich nun vor, sie würden auf Steinen (Lappen) durch einen Fluss waten. Bei tiefen Tönen fallen sie ins Wasser ...

Vierte Variation: Die Kinder laufen im Kreis um einen Eimer oder Karton ... herum, während sie mit einem Löffel eine Kartoffel (o. ä.) balancieren. Erklingen nun die tiefen Töne, werfen sie ihre Kartoffeln in den Eimer und rennen davon.

 

Spiele mit Bällen, Luftballons ...

Jedes Kind wirft einen Ball (Luftballon, Papierkugel, verknotetes Tuch ...) in die Luft, während hohe Töne gespielt werden. Tiefe Töne bedeuten: fallen lassen (plumps ...).
 

Erste Variation: Zwei Kinder werfen sich einen Ball zu.

Zweite Variation: Alle Teilnehmer halten eine Decke, auf die Bälle gelegt werden , und werfen diese nun gemeinsam hoch. Damit alle gleichzeitig werfen, gibt der Spielleiter wieder den Ton bzw. die Töne an (hohe Töne: loswerfen, tiefe Töne: unten lassen).
 

Jedes Kind bekommt einen Luftballon und eine Handvoll Erbsen, die es in den Ballon füllt. Die aufgeblasenen Luftballons werden geschüttelt, in schnellen Kreisen bewegt, dass die Erbsen im inneren der Luftballonhaut entlangsausen. Während beide Hände den Luftballon umfassen, spürt man die Erbsenbewegungen sehr intensiv an der Handinnenfläche.

Mit Erbsen gefülle Luftballons eignen sich auch für die Wurfspiele sehr gut, da sie etwas mehr Gewicht haben und nicht so leicht davonfliegen.

Luftballonspiele lassen sich auch mit den Indianerspielen kombinieren. Statt der Indianer, die auf Beutefang in der Prärie herumreiten, sind es nun die Indianerkinder, die mit ihren Luftballons im Freien spielen. Trommelt der Spielleiter »ab in die Zelte«, werfen die Kinder ihre Ballons auf das Zeltdach und kriechen darunter. (Um Ärger und Verwechslungen zu vermeiden, die Ballons mit einem Filzstift o. ä. vorher mit Namen oder einer Zeichnung beschriften.)
 

Variation:Die Luftballons werden mit Zahlen beschriftet und im Raum versteckt. Die Kinder suchen sich nun ihren Luftballon. Wer die Zahl 1 hat, beginnt das Spiel (ist zuerst Spielleiter o. ä.: siehe Lose-Ziehen.)

 

Aktionslieder und -spiele

Kennen Sie auch die Elternabende in Kindergarten oder Schule, bei denen Sie zu Beginn der Reihe nach aufgefordert werden, sich kurz vorzustellen? Vielleicht wurde ein Wollknäuel geworfen oder ein anderes Spiel genutzt, um die Peinlichkeit der Situation etwas zu lockern.

Ich muss sagen, dass ich die Namen der Eltern meist sofort wieder vergaß, sie mir im Grunde auch gar nicht wichtig waren. Vielmehr merke ich mir am Anfang die Gesichter, Gefühle bei der ersten Begegnung, mein subjektives Befinden usw. Die Namen prägen sich im Laufe der Zeit durch gemeinsame Erfahrungen viel leichter ein als durch ein kurzes »Vorstellungsgespräch«, das ich eher als beklemmend empfinde.

Deshalb beginne ich am Anfang einer Begegnung so schnell wie möglich mit gemeinsamen Aktivitäten. (Für jene, die lesen können, lässt sich rasch ein Streifen Papierklebeband beschriften und an den Pullover heften.) Nach einer gewissen Aufwärm- und Beschnupperungsphase können sich die Kinder selber vorstellen: im Spiel.
 

Zum Kennenlernen: Wir fahren Karussell
 

Während der Spielleiter (alleine oder gemeinsam mit den Eltern) das Karussell -Lied singt, laufen die Kinder um einen Stuhl im Kreis herum. Nach »und wenn die Musik verstummt, dann macht es rumps di plumps« setzt sich eines der Kinder schnell auf den Stuhl: »und wer sitzt auf dem Stuhl?«, um anschließend seinen Namen zu sagen (wenn es mag, sonst sagt ihn Mama, Papa oder der Spielleiter ...).

Dieses Spiel macht auch jenen noch großen Spaß, die sich längst kennen ...
 

Für Kinder, die ausgetobt oder einfach müde sind, ist eine Fahrt mit dem Omnibus, der Eisenbahn oder ein Ritt auf dem Pferd eine angenehme Abwechslung.

Für Bus oder Eisenbahn die Stühle entsprechend aufstellen. Ein Schaffner verteilt kleine Zettelchen (die Fahrkarten), um sie später mit einem Riss (oder Scherenschnitt, Locher, Hefter ...) zu entwerten. Dann geht die Fahrt los, begleitet von dem Gesang des Spielleiters (und der Eltern ... oder aller, je nach Laune).
 

Das Omnibus-Lied
 

Dieses Lied kann im Text nach Belieben variiert werden (Wir fahren ins Indianerdorf ...), Namen einsetzen ... die Kinder springen aus dem Bus und sind bei einem Pferdehof angekommen. Jedes nimmt sich einen Stuhl als Pferd, setzt sich umgekehrt darauf und reitet los. Zuvor kann noch das Zaumzeug angelegt werden (Jacke, Pullover, Mantel auf die Stuhllehne hängen, die Ärmel dienen als Zügel).
 

Dazu passen Reiterlieder:
 

Im Galopp

Wie reiten geschwinde durch Feld und Wald

Hoppe, hoppe, Reiter (am Ende lassen sich die Reiter vorsichtig auf den Boden fallen)
 

Statt dem Omnibus kann natürlich auch die Eisenbahn genommen werden. Das Mobiliar bleibt gleich ...
 

Eisenbahnlied
 

Für weniger müde und bewegungsfreudige Teilnehmer kann die Eisenbahn auch stuhllos fahren. Jeder nimmt eine Rassel, und los geht die Fahrt im Kreis herum. »Auf Gleis 5 fährt ein der ICE 504 aus München« ...Trillerpfeife marsch: »Zurücktreten, bitte, Türen schließen automatisch« ... langsam setzt sich der Zug in Bewegung ...
 

Erweiterung: Mit Trillerpfeife und Rot-Grün-Kelle steht ein Kind (auf dem Stuhl, wenn es klein ist) am Rand des Rhythmuszuges. Wenn es pfeift, dreht es die Kelle mit Rot für Anhalten bzw. Grün für Weiterfahren zu den Eisenbahnfahrern.